"Nichts ist entschieden", sagt Franz Müntefering mit Blick auf die Bundestagswahl. Das hätten auch die massiven Abstürze der CDU in den vergangenen Landtagswahlen gezeigt. Wie Peter Müller und Dieter Althaus setze Angela Merkel einzig auf ihren Amtsbonus.
"Die SPD hat seit Sonntag zusätzliche Kraft gewonnen, weil noch einmal klarer geworden ist, dass nicht entschieden ist", sagte der SPD-Vorsitzende im Interview mit der Welt am Sonntag. Die sozialdemokratischen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer wüssten, dass es sich lohnt zu kämpfen.
Dabei verweist Müntefering auf "interessante Analogien von dem Verhalten von Frau Merkel zu dem von Althaus und Müller". Sowohl die erfolglosen CDU-Ministerpräsidenten als auch Merkel verfolgten die Strategie: "Wir sitzen auf dem Amtssessel, nun wählt uns mal wieder, und irgendwie wird schon alles gut."
"...im Zweifel sogar nah bei Lafontaine"
Der Union fehle "die Idee und das Zentrum, der Kompass" für eine zukunftsorientierte Politik, so der SPD-Vorsitzende weiter. "Merkel kann heute bei Rüttgers und morgen bei Oettinger sein. Übermorgen ist sie dann bei Westerwelle. Sie kann im Zweifel sogar nah bei Lafontaine sein", beschrieb Müntefering die programmatische Beliebigkeit in der Union.
Überzeugt zeigte sich der SPD-Vorsitzende, dass die Wählerinnen und Wähler am 27. September demjenigen ihre Stimme gäben, "dem sie zutrauen, die Dinge in der Zukunft richtig zu lenken und die richtigen Antworten auf ihre Zukunftsfragen zu haben". Die habe Angela Merkel als schwarz-gelbe Spitzenkandidatin aber nicht. "Die Kombination von Westerwelle und Merkel löst bei der Mehrheit keine Sympathie aus", weiß der SPD-Vorsitzende. "Schwarz-Gelb wird es jedenfalls nicht geben!"