Frühe Förderung statt "Fernhalteprämie"

Veröffentlicht am 13.12.2009 in Bundespolitik

Immer mehr Wissenschaftler warnen vor dem geplanten Betreuungsgeld. Nach der Bertelsmann Stiftung hat nun auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer Studie die Folgen untersucht: Gerade Kinder aus bildungsfernen Familien würden demnach von früher Förderung ausgeschlossen, Frauen zudem aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Statt der teuren "Fernhalteprämie" müsse die Bundesregierung Bildungs- und Betreuungsangebote ausbauen, sagt Manuela Schwesig – und empfiehlt einen Blick nach Berlin.

"Die Einführung eines Betreuungsgeldes könnte die für richtig erkannte, frühe institutionelle Förderung für Kinder aus bildungsfernen Familien gefährden", lautet das Ergebnis der ZEW-Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Gerade in Zuwandererfamilien und bei Eltern mit niedriger Qualifikation und niedrigem Einkommen schaffen das Betreuungsgeld Anreize, auf Förderangebote für ihre Kinder zu verzichten.

Zudem werde das geplante Betreuungsgeld, das nach Berechnungen der ZEW-Forscher zwischen 1,4 und 1,9 Milliarden Euro kosten soll, Frauen aus dem Arbeitsmarkt drängen. Denn fast jede zweite Frau, die in Teilzeit beschäftigt ist, wäre demnach bereit, ihren Beruf aufzugeben und zu Hause zu bleiben. Damit wären deren Kinder von früher Förderung in Kinderkrippen ausgeschlossen. Und Frauen laufen zudem Gefahr, den beruflichen Anschluss zu verlieren.

Für Chancengleichheit und Integration

Die Studienergebnisse bestätigen damit in vollem Umfang die Kritik der SPD an der "Fernhalteprämie", wie die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig das Betreuungsgeld nannte. Die neue Familienministerin, Kristina Köhler, müsse endlich die Pläne beenden und mehr Geld in frühkindliche Bildung investieren, forderte die Sozialdemokratin.

Dabei verwies Schwesig auf gute Beispiele aus den Ländern, die auch ohne Unterstützung vom Bund schon moderne Familienpolitik machen. Um Chancengleichheit zu ermöglichen und Integration zu erleichtern, sei Gebührenfreiheit in Kitas unerlässlich, bekräftigte die stellvertretende Parteivorsitzende. "Rheinland-Pfalz hat dies bereits durchgesetzt, Berlin bringt das gerade auf den Weg", sagte Schwesig mit Blick auf die Haushaltsberatung in der Hauptstadt, mit der am Donnerstag der Weg für den gebührenfreien Kitabesuch frei gemacht werden soll.