Der Jubel und das Lachen werden an diesem Abend nicht mehr verstummen. Rund 1200 Leute sind zur ersten Wahlprognose um 18 Uhr in die „Fabrik“ im Hamburger Stadtteil Altona gekommen. Der SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz hat nach dem Turbo-Wahlkampf der letzten zwei Monate ein fulminantes Ergebnis eingefahren: 48,3 Prozent, absolute Mehrheit, die SPD kann alleine regieren.
Bei der CDU regiert Schockstarre. Noch nie zuvor haben die Konservativen so schlecht abgeschnitten: 21,9 Prozent ist ihr historischer Tiefpunkt in der Hansestadt. CDU-Kandidat Christoph Ahlhaus erlebt eine „Stunde der Ratlosigkeit“.
Etwa vierzig Minuten nach der ersten ARD-Hochrechnung erreicht Olaf Scholz die ehemalige Maschinenfabrik, blitzende Lichter und Kamera-Scheinwerfer zeichnen seinen Weg durch die Menge bis zur Bühne. „O-laf, O-laf“, schallt es von allen Seiten. „Das ist ein beeindruckendes Wahlergebnis“, sagt Scholz und der Jubel entlädt sich in einem Sturm. Doch Hamburgs designierter Erster Bürgermeister bündelt seine Freude in einem Lächeln. „Alle, die SPD gewählt haben, verbinden damit große Erwartungen. Wir werden das, was wir versprochen haben, auch nach der Wahl tun.“
Die Stimmung ist ausgelassen. Fast jeder, der auf ein Bier bleiben wollte, bleibt auf mehr. „Das ist einfach überwältigend“, sagt Nicholas Gildemeister, Vorsitzender der Hamburger Jusos, und plädiert für „Demut statt Triumphgeheul“. „Das ist ein riesiger Vertrauensvorschuss. Die SPD steht nun in der Bringschuld.“
Ob Elbvertiefung, Kita-Gebühren, Haushaltskonsolidierung oder sozialer Wohnungsbau, Olaf Scholz nennt es den „Ernst des Lebens“, der nun ab Montag beginnt. Einige haben Wunderkerzen angezündet. Ein Wunder ist dieser Wahlsieg allerdings nicht.
Die Umfragen der letzten Wochen wurden bestätigt – und sogar übertroffen. Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen war die Lokalpolitik ausschlaggebend, dass die CDU gravierend an Kompetenz bei den Bürgern verloren habe und die SPD als stärkste Partei für die Bevölkerung wurde. „Wir sehen, dass die SPD erfolgreich ist, wenn sie bei den Menschen ist und sich nicht um Prestigeprojekte kümmert“, kommentierte SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel den Wahlsieg in Hamburg.