Bürgerversicherung statt Ärztemangel

Veröffentlicht am 15.09.2013 in Bundespolitik

Ärztenotstand in Deutschland: 3000 Hausarztpraxen stehen leer! „Auf dem Land wird es immer schwieriger, Ärzte zu finden“, warnt die Kassenärztliche Bundesvereinigung in der „Bild“. Ärmere Gegenden sind besonders betroffen. Mit der Bürgerversicherung will die SPD eine solidarische Gesundheitsversorgung – für alle.

500 Menschen stehen vor einer neu eröffneten Augenarztpraxis in Gera Schlange und warten auf einen Termin: Über diese unwirkliche Szene berichtet am Donnerstag die „Bild“. Weil die Augenärztin sich – als eine von wenigen – noch nicht auf „teure OPs“ spezialisiert habe, hätten die Menschen ihr bei ihrer Eröffnung buchstäblich die Tür eingerannt.

Als die Ärztin um 16:30 ihre Praxis trotz anhaltenden Ansturms schließen wollte, seien die noch Wartenden regelrecht „anstößig“ geworden, so die „Bild“ – am Ende informierte die Ärztin per Türschild, dass sie bis Ende des Jahres ausgebucht sei. All dies ist ein Effekt des Ärztemangels in der thüringischen Mittelstadt.

Ärztemangel vor allem in ärmeren Regionen

Tatsächlich sieht es bei der medizinischen Versorgung an vielen Orten in Deutschland düster aus: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schätzt, dass landesweit 3000 Hausarztpraxen leer stehen. „Auf dem Land wird es immer schwieriger, Ärzte zu finden“, warnt der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler.

Im Osten hätten von 2000 bis 2010 über 1000 Ärzte ihre Praxis geschlossen, so die „Bild“. Und auch in Großstädten müsste man inzwischen monatelang auf einen Termin warten. Was Stadt und Land eint: Je ärmer die Menschen, desto weniger Ärzte gibt es. Diese lassen sich häufig lieber in wohlhabenden Gegenden oder Ballungsräumen nieder.

Schwarz-Gelb hat nichts gegen Ärztenotstand getan

Schwarz-Gelb hat in den letzten Jahren nichts gegen den Ärztenotstand in Deutschland getan – lediglich das Anfang 2012 in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz, das allerdings mit unzureichenden Anreizen Ärztinnen und Ärzte aufs Land locken wollte. Für dieses Gesetz gilt wie für jedes Merkel-Gesetz: zu wenig, zu halbgar. Am Ärztenotstand jedenfalls hat sich nichts geändert.

Wo sich ein Arzt heute niederlässt, hängt häufig davon ab, ob es dort lukrative Privatpatienten gibt. Deswegen gibt es am Starnberger See anderthalb mal so viele Hausärzte wie nötig, während in Sachsen-Anhalt zum Teil nur 70 Prozent des Bedarfs befriedigt wird.

SPD: Bürgerversicherung statt Zwei-Klassen-Medizin

Dagegen hilft nur eine Bürgerversicherung mit einheitlicher Honorarordnung für alle Versicherten. Alle sollen im Wartezimmer gleich viel Wert sein. Deshalb kommen alle Neu- und bislang gesetzlich Versicherten automatisch in die Bürgerversicherung.

Auch die bisher privat Versicherten können für ein Jahr wählen, ob sie wechseln wollen. Damit schafft die SPD echte Wahlfreiheit für alle – und macht zugleich Schluss mit der Zwei-Klassen-Medizin.

Die Bürgerversicherung ist gerecht finanziert: Die unteren und mittleren Einkommen werden entlastet, weil die Arbeitgeber zu gleichen Teilen einbezogen werden. Und auch die Spitzenverdiener werden gerecht beteiligt.