Zusatzbeiträge durch Einsparungen verhindern

Veröffentlicht am 03.02.2010 in Bundespolitik

Schon nach 100 Tagen ist das zentrale Wahlversprechen von Schwarz-Gelb geplatzt: Entgegen der Ankündigungen von FDP und Union wird es keine Entlastungen für die Mehrheit der Menschen geben. Vielmehr werden Millionen Bürgerinnen und Bürger künftig mehr für ihre Krankenversicherung bezahlen müssen, da viele gesetzliche Krankenversicherungen Zusatzbeiträge angekündigt haben. Diese ließen sich nach Auffassung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach jedoch verhindern, wenn im Gesundheitssystem konsequent gespart würde.

Im ARD Politik-Magazin "Report Mainz" machte Lauterbach am Montag entsprechende Vorschläge: "Wenn man jetzt konsequent sparen würde bei den Apotheken und würde die überflüssigen Gewinne abziehen, dann ließe sich damit mindestens eine Milliarde Euro sparen. Damit wären die Zusatzbeiträge, die jetzt von vielen Kassen erhoben worden sind, für zehn Millionen Versicherte, die wären damit abwendbar, und das ist natürlich von Schwarz-Gelb zu verlangen."

Einsparungen bei Pharma-Firmen und Apotheken möglich

Unterstützung erhält Lauterbach mit seiner Forderung von Gesundheitsökonomen. Prof. Gerd Glaeske von der Universität Bremen verwies in der ARD-Sendung auf ein Gutachten, nach dem Apotheken auch eine Pauschale von 4,80 Euro ausreichen würde um "nach wie vor ein gutes Auskommen" zu erwirtschaften. Momentan erhalten Apotheken für jedes verschreibungspflichtige Medikament, das sie herausgeben, pro Packung mindestens 5,80 Euro. Glaeske: "Das wäre immerhin ein Euro weniger als derzeit. Und wenn man es einmal hochrechnet und gleichzeitig hochrechnet, dass damit auch die Einkaufspauschale, die die Apotheker auch noch bekommen, getroffen wird, da sind wir schnell bei einer Milliarde Einsparpotential."

FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler orientiert sich jedoch lieber an den Wünschen der Pharmakonzerne, der Apotheken und der privaten Krankenversicherungen, als die gesetzlich Versicherten vor ungebremst wachsenden Ausgaben zu schützen. Rösler hätte längst handeln können und müssen. Seine Untätigkeit füllt die Taschen der Lobbygruppen. Die Zeche dafür zahlen die kleinen Leute. Karl Lauterbach: "Der Bürger spielt überhaupt keine Rolle, auch wenn es teurer kommt, also es wird so gemacht, wie der Lobbyist es will."